Epigenetik

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 So können wir unsere Gene beeinflussen - von Dr. med. Ulrich Bauhofer
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So können wir unsere Gene beeinflussen

- von Dr. med. Ulrich Bauhofer 

 

Ist Ihnen im Laufe Ihres Lebens schon einmal aufgefallen, dass Sie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensmuster von Ihren Eltern oder vielleicht sogar Großeltern übernommen haben?

Ängste, Verstimmungen, mangelnder Selbstwert oder aber auch Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht.

Wir denken dann, wir hätten es geerbt und machen unsere Gene verantwortlich dafür. 


Aber hängt das alles wirklich mit den Genen zusammen?


Unsere Gene können wir nicht verändern. Sie sind festgelegt und statisch. 
 

Worauf wir allerdings Einfluss nehmen können, ist, welche Gene angeschaltet und welche abgeschaltet werden. Das ist das Spezialgebiet der Epigenetik.


Am 26. Juni 2000 hielt der damalige amerikanische Präsident Bill Clinton im East Room des Weißen Hauses eine historische Pressekonferenz ab.


Mit dabei die beiden wissenschaftlichen Leiter des Genom Project, Greg Venter, und Francis Collins.

Sie verkündeten, dass das menschliche Erbgut entschlüsselt sei. Die Forscher hatten über 3 Milliarden genetische Buchstabenpaare den Zellen entrissen, um daraus das menschliche Genom zu entziffern.


Noch einige Jahre zuvor war man davon ausgegangen, dass das menschliche Erbgut etwa über 100.000 Gene verfügt. Dann stellte man aber fest, dass unsere DNA, also unser Erbgut, lediglich etwa 25.000 Gene hat. 

Craig Venter schloss daraus, dass die kleine Zahl von Genen darauf hinweist, dass nicht alles festgelegt und fest verdrahtet ist. Mit der Aufdeckung des Genoms, war die große Hoffnung verbunden, Krankheiten effektiver therapieren und möglicherweise sogar heilen zu können. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. 

 

Der Grund lag darin, dass es neben den Genen andere Faktoren gibt, die entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten und ihren Verlauf nehmen.

 

  • Warum beispielsweise bekommt nur einer von eineiigen Zwillingen, die identische Gene und Veranlagung haben, ein Diabetes, der andere aber nicht?
  • Warum bricht bei einem von zwei Menschen mit dem gleichen Krebs Gen die Krankheit aus und dem anderen nicht?
  • Warum erkrankt einer von zwei Menschen mit der gleichen Disposition an Alzheimer und der andere nicht?


Erklären lässt sich das mit den sogenannten epigenetischen Codes.

 

Was ist das? Zwei Aspekte sind wichtig.

 

  • Erstens Es gibt ein kleines Molekül, sogenannte Methylgruppen, die sich an die DNA anheften, Markierungen setzen und dadurch verhindern, dass ein potenziell bösartiges Gen angeschaltet wird, das heißt aktiv wird.

 

  • Zum zweiten spielt das Verpackungsmaterial unserer Gene eine elementare Rolle. Dieses Material besteht aus Eiweißen. Sie heißen Histone.


Machen Sie sich bitte klar, dass Ihre DNA, also ihr Erbgut, 2 Meter lang ist und in einem winzigen Zellkern mit einem Durchmesser von etwa einem hundertstel Millimeter passen muss. Dafür wird es quasi um eine Spule gewickelt. Wenn ein Gen nun angeschaltet wird, muss die DNA ausgepackt werden. Die Historie dient dabei wieder als Markierungspunkte. 

 

Erkenntnis - Wir haben nicht nur Gene, wir haben auch Epigene.

 

  • Die Gene sind festgelegt. Sie sind in jeder Zelle die gleichen.
  • Die Epigene aber sind in jeder Zelle anders, schaffen also in den über 200 Zelltypen unseres Organismus, durch die bereits vorher erwähnten sogenannten Methylierungen unterschiedliche Markierungen. Dadurch funktioniert eine Herzzelle anders als eine Leberzelle oder eine Gehirnzelle.


Wir können unsere Gene mit der Hardware eines Computers vergleichen und die Epigene mit der Software, deren Programm auf jeden Zelltyp individuell angepasst wird. Denn jede Zelle übernimmt ja unterschiedliche Aufgaben. 

 

Das Besondere ist, dass unsere Epigene wie unsere Gene auch vererbt werden.


So hat man zum Beispiel herausgefunden, dass Kinder und Enkel von Menschen, die im Krieg Hunger litten, viel häufiger übergewichtig waren. 
Das Trauma des Hungers wurde epigenetisch weitervererbt und führte in den nachfolgenden Generationen zu Stoffwechsel oder Essstörungen. 

Der Unterschied zur genetischen Vererbung ist jedoch folgender.


Wenn Ihnen Ihre Eltern die epigenetischen Muster für ein Diabetes, Bluthochdruck oder Übergewicht durch Ihre Lebensgewohnheiten oder traumatischen Erlebnisse weitergegeben haben, können Sie diese Muster wieder verändern. 


Wodurch? Und genau hier wird es jetzt richtig spannend. 

Durch Ihr eigenes Gesundheitsverhalten, ihre Ernährung, ihr Stressmanagement, ihren Sport modifizieren Sie fortlaufend Ihr Epigenom und natürlich auch durch eine psychologische Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen.




Die Epigene bildet also das Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen, Lebensweise und den nicht veränderbaren Genen.


Durch Veränderung Ihrer Gewohnheiten üben Sie einen grundlegenden Einfluss auf Ihre Epigene und damit auf Ihre Gesundheit aus. 

 

Das wirft nun unweigerlich die Frage auf, inwieweit die Epigene auch auf den Alterungsprozess einwirken. Ganz grundsätzlich unterscheiden wir ja zwischen dem chronologischen und dem biologischen Alter.

 

  • Unser chronologisches Alter wird durch unser Geburtsdatum definiert.
  • Das biologische Alter beschreibt unsere aktuelle geistig körperliche Verfassung und kann natürlich vom chronologischen sowohl in die eine wie in die andere Richtung abweichen. Sie können also biologisch jünger oder älter als ihr chronologisches Alter es ausweist, sein.


Ein wichtiger messbarer Indikator des biologischen Alters ist die sogenannte Harvardclock oder die epigenetische Uhr.


Der Altersforscher Professor Steve Horvath von der Universität Kalifornien hat dieses Analyseverfahren entwickelt und bestimmt daführt die Methylierung, also die Markierungen an unserem Erbgut. Darum spricht man auch vom Methylierungsalter, das ziemlich präzise das biologische Alter wiedergibt. 
 


Die entscheidende Erkenntnis daraus besteht nun darin, dass wir auf 
den Alterungsprozess aktiv zugreifen können, also unser biologisches Alter verjüngen können. Wir können aber nicht nur auf den der Generationsprozess Einfluss nehmen, sondern auch auf Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs.

 

Wie?


Indem wir durch unsere Lebensweise unsere Epigene so modifizieren, dass sie gute Gene an und böse abschalten. 

 

Und dafür nun vier Tipps:

 

  • Tipp Eins: Vermeiden Sie toxischen Stress.


Eine Studie am Max Planck Institut hat gezeigt, dass chronischer Stress oder toxischer Stress bereits bei jungen Menschen zu epigenetischen Mustern wie bei alten Menschen führt. 

Junge Menschen durch toxischen Stress  biologisch altern lässt. Durch chronischen Stress, toxischen Stress werden fortwährend die Gene aktiviert, die für Ihr Stresssystem verantwortlich sind. 

Tun Sie darum etwas gegen Stress.

Alles, was Sie beruhigt, hilft - ausreichend Schlaf, Meditation, Sport oder auch Waldbaden, also sich in der Natur aufhalten.



 

  • Tipp Zwei: Sprechen Sie nicht schlecht über andere Menschen.
     


Seien Sie vorsichtig mit Ihren Gedanken, Gefühlen und Glaubenssätzen. 

Der australische Nobelpreisträger Sir John Eccles hat einmal gesagt: „Es gibt keinen aggressiven Gedanken ohne ein aggressives Molekül. Ebenso gibt es keinen glücklichen Gedanken ohne ein glückliches Molekül.“ 

Machen Sie sich bewusst: negativ pessimistisch zu denken oder schlecht über andere zu sprechen, findet ja in Ihnen statt und hat Auswirkungen auf Ihre Biochemie und auf Ihre Epigenetik. Sie schaden sich also damit selbst. 

Je mehr Sie sich in einem negativen Strudel von Gedanken und Gefühlen verirren, umso negativer beeinflussen Sie damit Ihre Gene. Umgekehrt Je positiver Ihr Mindset, umso mehr nützen Sie Ihren Epigenen. Ihr Geist steuert Ihren Körper.

Denken Sie an einen Satz unseres großen deutschen Dichters Friedrich Schiller. Er sagte einmal "Es ist der Geist, der den Körper baut". 

 

  • Tipp Drei: Bewegen Sie sich, trainieren Sie.
     


Eine schwedische Studie hat gezeigt, dass ein dreimonatiges Bewegungstraining zu Veränderungen an 4076 Genen der Muskelzellen führte.

Dadurch wurde ein bestimmtes Eiweiß häufiger produziert, das wichtig für den Aufbau von Muskelfasern ist. 
Also, was ist der Schluss?  Regelmäßige Bewegung.

 

  • Tipp Vier: Vermeiden Sie schädliche Genussmittel.
     


Alkohol, Zigaretten und Drogen schädigen Ihre Epigene. 
 

Was ist also die Botschaft all dieser Erkenntnisse?


Durch unsere Lebensweise übernehmen wir nicht nur Verantwortung für unsere eigene Gesundheit, sondern auch für die unserer nachfolgenden Generationen. Unsere Kinder, Enkel und Urenkel. 

Aus diesem Grunde sollten wir darauf achten, durch unser Gesundheitsverhalten unsere Epigene so umzuprogrammieren, dass sie uns selbst nützen und denen, die nach uns kommen.

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